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Im Frühjahr 2010 fiel mir das Veranstaltungsverzeichnis der Koordinierungsstelle für Weiterbildung der Hochschule Bremen für den Bereich Gestaltende Kunst in den Schoß. Das Angebot klang interessant aber mir stellte sich die Frage: Kannst Du das überhaupt noch, völlig frei arbeiten? Ich bin Grafik Designerin und arbeite seit nahezu 20 Jahren (nach dem Studium) angewandt und bin seit fast 12 Jahren selbstständig als Grafik Designerin. Ich liebe meinen Beruf und arbeite gern aber der Gedanke einmal wieder grenzenlos kreativ zu sein, den Geist frei zu lassen, einfach mal mehr den Bauch entscheiden zu lassen und zu sehen, was passiert, reizte mich sehr. Und, auf anderen Feldern zu graben konnte für meine tägliche Arbeit auch nützlich sein.

Hoch über den Dächern von Bremen wurde der neue Grundstein für meine Kunst gelegt

Gedacht, getan! Im August hatte ich mich zu einem Seminar über zwei Wochenenden bei Isabell Valecka angemeldet: Das große Format. Herrlich, schon das Format ging weit über das hinaus, mit dem ich täglich zu tun hatte.

Der erste Tag begann schon spannenderweise hoch oben im achten Stock über den Dächern Bremens. Eine kleine bunt gemischte Gruppe von fünf gleichgesinnten neugierigen Malwütigen.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ging’s auch schon los. Lockerungsübung nannte es sich. Jeder bekam in die eine Hand ein Teelicht (natürlich nicht brennend) und in die andere Hand eine Wachskreide. Vor uns lag ein großer ca. 70 x 100 cm großer weißer Karton. Dann hieß es Augen zu und Musik begann. Wir malten gleichzeitig mit geschlossenen Augen und beiden Armen das auf unseren Karton, was gerade aus unseren Fingern kommen wollte. Ganz nach Gefühl und Musik.

Gefühl und Intuition standen am Anfang

Anschließend wurden, diesmal mit offenen Augen, unterschiedliche Farben in verschiedenen Konsistenzen mit jedem erdenklichen Werkzeug aufgetragen. Nicht nur schnöde Pinsel sondern Schwämme, Lappen, Folie oder Bürsten kamen zum Einsatz. Nicht zu glauben mit was man alles malen kann.

Manchmal war Sand in der Farbe, mal war sie eher eine Paste und ein anderes Mal war sie völlig flüssig. Alle paar Minuten haben wir unser Werkzeug mit dem jeweiligen Farbtopf an unseren Nachbarn weitergegeben. Obwohl wir alle die gleichen Materialien verwandt haben und auch eigentlich die gleichen Arbeitsschritte durchgeführt haben sind erstaunlich unterschiedliche Ergebnisse entstanden.