Primavera seconda

Im Januar 2012 bin ich mit meiner damaligen Atelierkollegin nach London geflogen zur Gerhard Richter-Retrospektive, anlässlich seines 80. Geburtstages (das die gleiche Ausstellung im Sommer des selben Jahres nach Berlin kam haben wir damals nicht gewußt).

Gerhard Richter Inspirationen nach einem Besuch der Tate Modern

Nach unserem Besuch in der Tate Modern reifte in mir der Wunsch die beiden Techniken, in denen ich zu der Zeit auf meinen großen Leinwänden arbeitete, zu verbinden. Das bedeutete Bilder, die mit vielen feinen Schichten entstanden waren, partiell mit dicken Schichten zu übermalen.

Also nahm ich mir mutig ein fertiges Bild aus meinem Repertoire vor und begann es zu übermalen. Aus »Primavera« (Entstehung Frühjahr 2011) entstand »Primavera seconda« (Entstehung Frühjahr 2012).

Das Ergebnis machte Lust auf mehr und ich nahm mir das größere Format »Rainforest« vor, um auch dieses zu übermalen.

Bilder wieder zu übermalen stößt manchmal auf Unverständnis

Als ich stolz davon berichtete, dass ich angefangen hatte meine Bilder zu übermalen, erntete ich zuerst erstauntes Unverständnis. »Nein, wieso das? Hättest Du keine neue Leinwand nehmen können?« Nein, hätte ich nicht, das ist nicht das Gleiche (oder das Selbe, das verwechsele ich immer).

rainforest reloaded
»Rainforest reloaded« (2012), Acryl auf Leinwand, 160 x 100 cm

Sooooo ungemein mutig bin ich nun (noch) nicht. Wenn ich von meiner Atelierkollegin erzählt hätte, die große, in monatelanger Arbeit, in Öl gemalte Bilder, einfach von der Leinwand nimmt und sie mutig unter die NÄHMASCHINE legt, um sie komplett zu übernähen … dann hätte man wahrscheinlich kopschüttelnd den Raum verlassen. Aber ich kann bestätigen, das Ergebnis ist genial!

So mutig bin ich nicht. Ich belasse es (noch) beim Übermalen.