Beelitz

Schaurig schön – die Beelitz Heilstätten bei Berlin

Im Sommer 2014 hatte ich die Möglichkeit auf einer organisierten Fototour Zugang zu den Frauenkliniken der Beelitz Heilstätten bei Berlin zu bekommen. Kurze Zeit später wurde dieser Bereich für die Öffentlichkeit gesperrt und ist mittlerweile saniert und wieder bewohnt.

Beelitz Heilstätten

Die Beelitz Heilstätten sind ein Komplex von Sanatorien für Lungenkrankheiten aus der Jahrhundertwende des letzten Jahrhunderts. Um 1900 herum stieg die Zahl von Tuberkulosererkrankungen in der Stadt Berlin dramatisch an, deshalb war eine Behandlung an frischer Luft, 50 km vom Stadtzentrum entfernt, erholsam für die kranken Menschen.

Seit dem Mauerfall haben Verwahrlosung und Vandalismus Einzug gehalten

Nach dem zweiten Weltkrieg richtete die Sowjetarmee dort ein Militärhospital ein. Seit dem Mauerfall stehen die meisten Gebäude leer und wittern vor sich hin, weil die Mittel für eine komplette Sanierung fehlen. Das ist schon schlimm genug aber die Verwahrlosung steigt noch wegen dem zunehmenden Vandalismus. Lange Zeit waren die Besitzverhältnisse nicht geklärt und dann haben viele Menschen oft nichts Besseres zu tun, als ihrer Zerstörungswut freien Lauf zu lassen oder alles was man eventuell versilbern kann zu stehlen.

Seit 2009 ging der ganze Komplex in Privatbesitz und es wurden Investoren für eine Sanierung gesucht. Zwischenzeitlich werden die Gebäude als Filmkulisse, für Kunstprojekte und für Fotoaufnahmen genutzt. Wie für mich zum Beispiel.

Beelitz Heilstätten

Dieser »Brandenburger Zauberberg«, wie das Gelände auch genannt wird, hat auch in seinem Zerfall einen ganz eigenen Reiz (von Charme mag ich hier nicht sprechen). Das schwankt von Faszination bis Grusel. Ich muss zugeben, dass wir uns in die Keller nicht getraut haben, obwohl wir eine Taschenlampe dabei hatten. Der Vergleich mit Thomas Manns Roman »Der Zauberberg« ist sehr stimmig. An jeder Ecke hatte ich diese Bilder auch im Kopf.

Betreten auf eigene Gefahr

Die Frauenklinik, zu der wir Zutritt hatten, besteht aus drei Gebäuden. Wir konnten uns fünf Stunden frei auf dem Gelände und in den Häusern bewegen – auf eigene Gefahr, das mussten wir vorher auch unterschreiben. Es ist Sommer und es war warm und die Sonne schien (draußen) aber immer wieder zog sich der Himmel zu und gewitterte laut und deutlich mit den entsprechenden Regenmengen. Überall läuft dann das Wasser von den Wänden, tropft durch die Decken und sorgt zunehmend für ein noch schaurigerers Klima. Riechbilder kann ich noch nicht präsentieren aber ich glaube man kann sich den muffigen, modrigen Geruch gut vorstellen, der uns dort umweht hat.

Beelitz

Beelitz

Zwischendurch sind wir immer wieder raus ans Licht in die Sommerluft gegangen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir diese Fototour im November oder Februar zugetraut hätte, obwohl die Lichtverhältnisse dann bestimmt auch interessant gewesen wären.

Nach dieser Tour 2014 hatte ich überlegt, ob ich die große Tour durch die Männersanatorien auch noch buche … zwei Jahre hat es gedautert 2016 war es dann soweit.