Radierung

Das ist natürlich ein Scherz! Ich habe mir zu meiner halben Hundert zwei Tage in der Berliner Druckwerstatt vom BBK mit meiner geschätzten und geliebten Künstlerkollegin Katja Bröskamp geschenkt. Das war für mich ein tolles Fest.

Direktätzung und Aquatinta mit Autolack standen auf dem Programm

Ich wollte mit der Direktätzung und Aquatinta in Form von Autolack, die ich im Frühjahr schon ausprobiert hatte, weiter experimentieren. Dazu habe ich mir ein paar Zinkplatten quadratisch zugeschnitten und zuerst die Reststreifen verarbeitet.

Ach ja, Reste, ein schönes Thema. Wir sind mittlerweile zu Recyclingprofis geworden. Der Blick in die Restetonne förderte unglaubliche Schätze hervor.

Im April hatte ich schon Versuche gestartet, eine mit Autolack hergestellte Aquatinta, direkt mit Säure zu bestreichen. Die Lackdose, die ich jetzt gefunden hatte, machte eigentlich das, was ein Sprayer verabscheut: sie spratzelte und spuckte den Lack aus der Düse. Aber ich jubelte, denn genau das wollte ich haben, dicke Flecken und keinen feinen Nebel.

Mit Improvisationstalent kann man fehlendes Werkzeug gut ersetzen

So weit, so gut. Ich hatte schon wieder keinen säurefesten Pinsel dabei und habe mir deshalb ein Werkzeug aus einem Wattepad, einem Wattestäbchen und etwas Klebeband gebastelt.

Unsere Säure war an beiden Tagen etwas schwach auf der Brust. Ich habe zwischendurch Flächen, die nicht weitergeätzt werden sollten, mit Abdecklack bestrichen und in diesen Lack Linien mit einer Nadel gezeichnet. Dann ging es wieder ab ins Säurebad. Aber ich glaube, ich hätte die Platten, wie die kleinen Schneideexperimente in Kupfer, in der Säure vergessen sollen.

Wenn es nach unserem kleinen Orientierungsdruck an der Wand zu den Ätzzeiten und den dementsprechenden Farbtiefen hätte gehen sollen, müsste ich jetzt total schwarze Platten haben. So sind sie an einigen Stellen immer noch sehr zart in der Farbtiefe.

Am Ende des zweiten Tages geriet ich doch etwas in Hektik, weil ich von allen Platten wenigstens noch einen Probedruck machen wollte, und aufräumen mussten wir auch noch, und die Finger halbwegs wieder vorzeigetauglich schrubben … deshalb ist mir, glaube ich, etwas die Farbe auf den Platten eingetrocknet. So sind die Druckplatten fast schöner geworden als die Abzüge.

Weiter gehts im heimischen Atelier

Aber ich habe ja eine kleine Presse in meinem Atelier, und eine selbstgebaute Wärmeplatte … dann muss ich halt noch einmal ran. Der Vorteil an den Druckplatten ist, dass ich sie immer weiterbearbeiten kann. Ich müsste nur noch einmal nach Berlin fahren zum Weiterätzen. Wie furchtbar. 😉