radierplatte

Dieser alberne Kalauer musste sein. Ich hatte ein großartiges Wochenende im frühlingshaften, rosablühenden Berlin denn ich dufte mit meiner Lieblingskünstlerin und Mentorin  Katja Bröskamp einen Radierkurs vom BBK (Berufsverband Bildender Künstler) in deren Druckwerkstatt besuchen. Ingesamt sechs Künstlerinnen frischten Ihre Erfahrungen mit Ätzradierungen auf, die lange Zeit zurück lagen (bei mir ca. 25 Jahre).

Radierung ist das klassisches Verfahren in der Druckgrafik

Die Radierung gehört zu den Tiefdruckverfahren. Im Gegensatz zur Kaltnadelradierung wird in der Ätzradierung die Druckplatte (Kupfer oder Zink) vorher mit einem säurefesten Lack bestrichen. In diesen Lack wird dann mittels Werkzeugen eine Zeichnung geritzt und dann die Platte in ein Säurebad (Salpetersäure oder Eisen[III]Chlorid) gegeben, damit sich die Säure an den freigelegten Stellen ins Metall frisst.

Ätzbecken
Kupfer- und Zinkplatten brauchen jeweils ein eigenes »Badebecken«.

anschlüsse

Um unterschiedliche Grauabstufungen in den Linien zu bekommen, wiederholt man den Ätzvorgang in mehreren Schritten. Man bearbeitet die Platte also immer weiter und wirft sie immer wieder in das Säurebad. Erst vor dem ersten Probedruck wird der Ätzgrund von der Platte entfernt.

Radierplatte
Katjas Zinkplatte vor dem ersten Probedruck.
Probedruck
Probedruck von meiner Kupferplatte, Linienätzung mit Aquatinta.
Druckplatte
Katjas Kupferplatte noch ohne Aquatinta.

Nur mit Aquatinta ist eine Flächenätzung möglich

Nach der Linienätzung haben wir uns mit der Aquatinta, einer Flächenätzung auseinandergesetzt. Hierfür muss die Platte entfettet werden und wird dann in einen sogenannten Staubkasten gelegt, in dem vorher der Kolophoniumstaub aufgewirbelt wurde. Dieser Staub legt sich dann auf die komplette Druckplatte ... und auch auf die Atemwege wenn man nicht vorher artig eine Schutzmaske aufgesetzt hat und dann auch herrlich fotogen wird.

Gruppenbild
… keiner weiß, wieviel Kolophonium diese drei Grazien schon eingeatmet haben … oder wer hat die speckigste Schürze. (von links nach rechts: ich die Farbmischerin, Katja Bröskamp, Gloria die Werkstattleiterin)
Warnschild
Ich will nur noch mit Staubkästen vom Typ »Staubfreund« arbeiten.

Hat sich der Staub gelegt, wird die Platte mit Hilfe einer Gasflamme erhitzt, so dass der Staub schmilzt und eine rasterpunktähnliche Fläche auf der Druckplatte entsteht. (alles hübsch gefährlich und giftig in so einer Druckwerkstatt) Nun kann begonnen werden die Grauflächen in die Strichzeichnung einzuarbeiten. Die Flächen, die weiß bleiben sollen, werden zuerst mit Lack (Ätzgrund) abgedeckt. Dann kommt das erste Säurebad. Danach wird die nächste Stufe abgedeckt …  und ab in die Säure … so lange bis alle Flächen die Grauwerte haben, die man anlegen will.

Der erste Probedruck ist immer aufregend

Danach auf zum ersten Probedruck, Lack runter und Farbe drauf, bzw. rein in die Platte und schön wieder mit Gaze sauberwischen. Spätestens jetzt braucht die Kripo kein Farbkissen mehr für meine Fingerabdrücke.

Farbmischer
Schwarz wie die Raben.
wischen
… und immer zart wischen, wischen, wischen …

Infoschild

Druckerpresse
… und jetzt gehts rund.
Druckergebnis
Voilà, der erste Probedruck von Katjas Kupferplatte mit Aquatinta.

Direktätzung mit dem Pinsel für partielle Flächenbearbeitung

Eine andere Form von Aquatinta kann man mit einer Sprühflasche Autolack erzielen (mein Liebstes an diesem Wochenende). Hier sprüht man seine Druckplatte ein, um eine Grundstruktur zu erhalten (solche Leute, wie ich hoffen, dass es ordentlich spratzelt um grobe Punkte zu bekommen). Danach habe ich eine Pinselätzung eingesetzt. In meinem Fall war es eher eine Federätzung, weil ich keinen säurefesten Pinsel dabei hatte aber in der Werkstatt eine Taubenfeder gefunden habe. Ich habe also mit der Säure direkt auf die getrocknete Autolackaquatinta gemalt, nach einer Weile die Platte abgewaschen und erneut mit Säure gemalt usw.

Druckplatte
Zinkplatte nach Autolackaquatinta und Federätzung.

Von dieser Platte habe ich drei Probedrucke angefertigt, von denen ich zwei mit Aquarellfarbe weiterbearbeiten werde. Und wenn ich eine Druckerpresse hätte, könnte ich noch weiterdrucken (Wunschliste wird schon wieder länger).

Vernis Mou, noch eine Form der Plattenätzung

Es gibt noch eine Technik, die wir ausprobiert haben, die Weichgrundätzung oder Vernis mou. Dieser Weichgrund wird auf die angewärmte Druckplatte mit einer Lederwalze aufgetragen und härtet nicht aus.

Lederwalze

Probedruck
Probedruck Vernis mou mit gepresster Gaze und Seidenpapier.

Das war superspannend mich ein ganzes Wochenende mit dieser klassischen Drucktechnik auseinanderzusetzen und was habe ich jetzt davon? Ich brauche eine Druckerpresse denn ich habe lauter Ideen, die ich gern umsetzen möchte. Für die ganzen Ätzereien will ich mir aber lieber hier in Bremen auch eine freie Werkstatt suchen (hoffentlich gibt es so etwas auch hier). Ich glaube diesen giftigen Stinkekram möchte ich nicht in unserem Freilichtatelier verarbeiten.

Mit lauter Ideen im Gepäck gehts daheim ins eigene Atelier

Aber drucken … warum nicht. Außerdem hat Katja mir den genialen Tipp gegeben, dass man auch aus Milchkartons Druckplatten für Kaltnadelradierung herstellen kann. Das geht bestimmt wunderbar in unserem Miniatelier.

Wischgaze
Anhand der Gaze unterm Tisch wußten wir, es gibt noch andere Farben als schwarz.

PS: Mittlerweile ist das Atelier umgezogen und ich richte mir eine kleine Druckwerkstatt ein. Der Platz für die Presse ist schon freigehalten.