Druckplatte

Eigentlich war ich am vergangenen Wochendende in meinem Radierseminar von Bogdan Hoffmann gut beschäftigt mit meinen Experimenten in der Flächenätzung. Da einige meiner Mitstreiterinnen ihre Entwürfe in Weichgrundätzung (Vernis-mous) umsetzen wollten, juckte es mir doch in den Fingern dies auch noch einmal auszuprobieren. (Das mit den Fingern wurde dann tatsächlich wörtlich)

Radierung

Vergangenes Jahr habe ich in der Berliner Druckwerkstatt das erste Mal eine Gaze mittels Vernis-mous auf eine Druckplatte aufgebracht und fand diese Technik faszinierend. Eine Weichgrundabdeckung einer Druckplatte härtet nicht aus (wie der Name schon sagt). Das bedeutet, dass alles, was auch mit einem geringen Druck mit der Abdeckung in Berührung kommt, später im Ätzbad in die Druckplatte geätzt wird.

Man kann bespielsweise bei einer Bleistiftzeichnung die Struktur des Striches im Druck erkennen, er bleibt weich im Gegensatz zur Strichätzung, dessen Strick immer klar und deutlich sichtbar ist. Und man kann Strukturen in den Ätzgrund drücken.

Erst im Ätzbad werden die gepressten Strukturen sichtbar

Diesmal wollte ich versuchen eine Feder abzubilden. Ich habe also vorsichtig Federn mit den Fingern in den Ätzgrund meiner Platte gedrückt. Man erkennt nicht viel was sich auf der Platte abbildet. Erst im Ätzbad bildet sich heraus welche Strukturen der Ätzgrund angenommen hat. In meinem Fall bildeten sich mit den Federn auch meine Fingerabdrücke mit ab. Diese Drucke brauche ich eigentlich nicht zu signieren. Sie sind nachweislich MEINE … spiegelverkehrt versteht sich.

Normalerweise werden die Rückseiten der Druckplatten mit Lack abgedeckt. Ich habe immer geglaubt, dass man das macht, um die Druckplatte nicht zu zerstören. Ich musste mich eines Besseren belehren lassen. Bis sich die Säure durch eine drei Millimeter starke Zinkplatte frisst, fließt ordentlich Wasser durch die Weser.

Je größer die zu ätzenden Metallflächen, desto schneller macht die Säure schlapp

Die Säure nimmt aber Schaden wenn große Metallflächen ätzend lange in ihr liegen. Irgendwann ist sie ausgelaugt wenn man das bei Säure so sagen kann und das geht halt schneller je größer die zu ätzenden Flächen sind. Wieder was gelernt.

Meine Federplatte ist ohne Rückenabdeckung im Ätzbad gelandet (paperlapapp, die Platte ist so klein, das macht nichts). Ich mache ja fast alles, was man mir sagt. Neugierigerweise habe ich natürlich im Anschluß an den Federdruck diese Rückseite eingefärbt und auch einen Abdruck davon gemacht.

Herausgekommen ist eine Hommage an Gotthard Graubner, den ich sehr verehre:

Radierung
»Hommage an Gotthard Graubner«, Radierung, Flächenätzung, 15 x 15 cm (2016)