Holzschnitt

Im Frühjahr 2020 habe ich mich zu Studienzwecken wieder in die Hochschule Bremen begeben, um bei Bogdan Hoffmann die Kunst des Holzschnittes kennenzulernen. Durch das Arbeiten in der Radierwerkstatt kannten wir uns schon und mich reizte eine für mich neue Drucktechnik zu erlernen.

Mit acht Geichgesinnten haben wir an einem Wochenende im März die Druckwerkstatt der Hochschule für Künste in der Bremer Überseestadt unsicher gemacht.

Wir hatten großes Glück. Es war eins der letzten Seminare vor dem großen Lockdown auf Grund der Corona Pandemie, dass noch durchgeführt werden konnte.

Der Holzschnitt ist eine Hochdruck-Technik

Aus einer Holzplatte werden reliefartig Teile heraus geschnitten. Die übrig bleibenden erhabenen Stellen werden mittels einer Walze eingefärbt und mit der Hand oder mit Hilfe einer Presse auf das Papier gedruckt, wobei ein seitenverkehrter Abdruck entsteht (das ist bei dem Entwurf immer zu bedenken).

Für den Holzschnitt eignen sich viele Holzarten. Für feine detailreiche Entwürfe sind die harte feingemaserte Hölzer von Obstbäumen wie Kirsche und Birne geeignet. Diese sind aber schwerer zu schneiden (vor allen Dingen für so Anfängerinnen, wie mich).

Leichter zu schneiden sind Erle oder Linde. Was man so leichter nennt denn sperrig ist Holz allemal, deshalb können auch einige  Sperrholzsorten verwendet werden, was wir auch getan haben.

Holzschnittwerkzeug

Zum Schneiden benötigt man verschiedene Schnitzwerkzeuge

Zur Grundausstattung zum Holzschneiden gehören:

  • der Grabstichel, mit dem gerade und parallele Linien ins Holz gestochen werden
  • der Geißfuß, der eine v-förmige Rille schneidet
  • der Rundstichel oder das Rundeisen
  • das Hohleisen oder auch Beitel genannt, mit dem größere, nicht druckende Partien weggeschnitten werden.
  • das Konturenmesser, in unserem Fall ein großer Cutter oder Teppichmesser, mit denen feine Linien geschnitten oder auch vorgeschnitten werden

Manchmal wird ausschließlich mit kleineren und größeren Hohleisen gearbeitet und auf das Konturenmesser verzichtet aber das funktioniert nur bei faserarmen Holz.

Als Farbe verwende ich Linoldruckfarbe

Es kann auch Ölfarbe eingesetzt werden aber ich arbeite lieber mit wasserlöslichen Farben. Die fertigen Platten werden mit Hilfe einer Walze eingefärbt, danach wird ein Blatt Papier auf den Druckstock gelegt und mit der Hand oder einer Handpresse/Löffel die Farbe auf das Papier gerieben. Der Einsatz einer Druckpresse ist möglich aber nicht notwendig.

Wenn sauber gearbeitet wird und kleinere Farbwalzen zum Einsatz kommen, kann ein Mehrfarbdruck auch in einem Druckvorgang entstehen.

Interessant ist es zu sehen, was geschieht wenn Farbplatten übereinander gedruckt werden. Farben mischen sich und es entsteht eine imaginäre Tiefe.

Meine ersten Druckexperimente sind eine Hommage an den Künstler Paco Knöller, dessen Arbeiten mich schon vor einigen Jahren fasziniert haben.

Mich interessiert im Bereich Holzschnitt die Kunst des deutschen Expressionismus

Ernst Ludwig KirchnerErich Heckel oder Karl Schmidt-Rottluff (eigentlich alle Künstler der Künstlergruppe »Die Brücke«) z.B. setzten das Material Holz für ihre Druckgrafiken so reduziert wie aussagekräftig in ihren Grafiken ein, das mich auch heute noch begeistert. Ihre Arbeiten leben von der Eigenart des Holzes, der Unebenheiten und der Maserung und bekommen durch die Abstraktion der Darstellung ein einzigartiges Leben.

Jetzt muss ich nur meinen eigenen Weg finden.

Der Kampf mit dem Material

Zum Schluß noch ein klitzekleiner Exkurs in die Anfänge eines Holzschnitt-Neulings mit den Tücken des Faserverlaufes.

Eigentlich hätte die Profi-Grafikerin in mir es besser wissen sollen. Papier hat eine Laufrichtung und Holz hat eine Faserrichtung. Das bedeutet, wenn man entgegen der Faserrichtung schneidet, besteht die große Gefahr, dass das Holz splittert. Wenn man dann auch noch meint, filigrane Insektenbeine und Fühler aus einer Sperrholzplatte schneiden zu wollen, ist das schnell zum Scheitern verurteilt.

Gut, man kann den Kartoffelkäfer erkennen aber geplant war ein anderes Ergebnis. Holz reagiert völlig anders als bespielsweise eine Linoldruckplatte. Das weiß ich jetzt auch … und werde es bei den nächsten Holzschnitt-Projekten bedenken.