alabaster

Das Herz der Antarktis – so nenne ich meine blaue Alabsterskulptur.

Dieser Stein ist zu einem Organ geworden, das droht auseinanderzubrechen. Deshalb ist diese Skulptur meine Hommage an die Antarktis. Dieser Kontinent ist in großer Gefahr und wenn wir nicht ganz gewaltig aufpassen und endlich beginnen ihn (und unseren blauen Planeten) wirklich zu schützen werden wir alle darunter leiden.

Vielleicht ich noch nicht so richtig denn ich bin ja schon etwas älter aber auch ich sehe mich in der Pflicht, der Erde und der Natur in der ich lebe, mit Sorgfalt und Achtung zu begegnen. Nach mir möchten noch andere Generationen diesen blauen Planeten erleben.

Diese blaue Skulptur hat mich viel Kraft gekostet denn der Stein ist sehr hart. Es hat lange gedauert bis er mich in sich hineingelassen hat. Am Ende haben wir aber gut zusammengearbeitet. Es wird mich glaube ich immer erstaunen, was sich nach langer Zeit, viel Staub, Schweiß und schmerzender Arme aus einem rohen Stein am Schluß herausarbeitet.

alabaster
Der Stein in der Rohfassung.

Die härteste Nuss, die ich je knacken musste.

Im Frühjahr 2016 hatte ich mein zweites Bildhauerprojekt mit Alabaster begonnen, mit blauem Alabaster. Profis werden jetzt merken, dass hier eine blutige Bildhauer-Anfängerin spricht. Kein Greenhorn bearbeitet einen blauen Alabaster denn er ist unglaublich hart.

Das habe ich dumme Nuss natürlich nicht gewußt. Egal, da musste ich nun durch denn der Stein hatte mein Herz erobert. Je tiefer er mich in sich hineinließ, desto tiefer wurde das Blau, was mir entgegenschimmerte.

Mehr wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was der Stein mir sagen wollte. Ich tastete mich vorsichtig heran (was anderes war auch nicht möglich). Bearbeiten konnte ich das gute Stück nur mit dem Spitzmeißel über anderes Werkzeug lachte er sich kaputt. Das kitzelte nur. Bei den Feilen musste ich auch eine Metallfeile einsetzen.

Das Einzige, was ichdamals schon wusste war, dass der Stein hochkant stehen wollte. Dafür musste mit dem Bohrer ein Loch in ihn getrieben werden. Dabei hat mir die Künstlerin Rosa Jaisli geholfen, in deren Atelier ich zwischendurch Freitags arbeiten kann – richtiger gesagt ist, Rosa hat das Loch gebohrt (mit Ohrenschützern und Schlagbohreinstellung). Meine Aufgabe war es nur mit Fingern in den Ohren die Horizontale zu kontrollieren.

Vielen Dank Rosa. Mir stand der Angstschweiß auf der Stirn aber jetzt steht der Stein stolz und bis zum nächsten Mal weiß ich vielleicht mehr was in ihm steckt.

Ein Stück Antarktis entsteht …

… könnte man meinen wenn man ganz nah vor ihm steht. Aber es ist nur ein Stein und kein Eis. Er ist schwer und wir sprechen mittlerweile miteinander.

Im Oktober 2016 hatte ich knapp 2,5 Std. Zeit in Rosa Jaislis Atelier an den Feinheiten mit meinem Alabaster zu arbeiten. Es klappte immer besser. Ich bekam dieses unglaublich harte Material tatsächlich in den Griff. Das ließ hoffen, dass ich doch irgendwann einmal Marmor bewältigen kann. Aber ich werde jetzt nicht größenwahnsinnig sondern werde erst einmal weiter mit Alabaster arbeiten.

Ich hatte jetzt außer dem Spitzmeißel auch noch den »Kamm-Meißel« kennengelernt. Nach einer kleinen Recherche weiß ich, dass es ein »Zahneisen« ist aber ich nenne ihn jetzt Kamm-Meißel. Man kann mit ihm unebene Flächen glätten. Mit dem »Schrifteisen« musste ich jetzt auch arbeiten, er hat vorn eine glatte Fläche.

Meissel
links Zahneisen, rechts Schrifteisen, zweite von links Spitzeisen von hinten mit Klüpfelkopf (Klüpfelkopf ist die Abrundung hinten am Meißel für die Benutzung mit dem Klüpfel)

Damit man das Blau des Steins besser erkennt, kann man ihn nass machen. Wenn er einmal glatt poliert ist, ist die Farbe besser sichtbar. Aber ich hatte auch vor Teile des Steins unbearbeitet zu lassen.

Das blaue Wunder dauert länger als geplant.

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen diesen blauen Alabaster im Jahr 2016 fertigzustellen aber danach sah es zu diesem Zeitpunkt nicht aus. Ich hatte nur noch für einen Termin (4 Stunden) Zeit vor der Weihnachtspause in Rosa Jaislis Werkstatt zu arbeiten. Und dann war erst einmal Schicht im Schacht.

Am letzten Termin hatte ich festgestellt, dass ich langsam pingelig wurde. Überall in der Form sah ich noch Flächen, die mir noch nicht gefielen. Hier war etwas zu dick, dort war etwas nicht rund genug und da war der Übergang nicht harmonisch genug usw.

Also schlug ich mich immer weiter in den Stein hinein. Ich hatte ihn mittlerweile sehr gut im Griff und mir fielen nach vier Stunden intensivem Schlagen nicht mehr die Arme ab und ich lag auch nicht mehr schmerzjaulend in der Ecke. Nur die Teetasse wackelte noch in meiner Hand.

Am nächsten Tag (das wäre dann der sechste Termin) wollte ich festlegen welche Flächen rauh bleiben und welche poliert werden sollten und wo ich richtige Kanten herausarbeiten musste. Das würde noch eine Herausforderung. Aber wenn am Ende des Tages das endlich alles steht, werde ich glücklich sein und dann kann das Feintuning auch im nächstes Jahr weitergehen.

Die Unvollendete in Blau.

Das Jahr ist um und ich bin doch nicht fertig geworden.  Immer wieder habe ich Stellen gefunden, mit denen ich nicht zufrieden war. Rundungen, die nicht rund genug waren, Kanten die noch nicht richtig hervorgehoben sind, Linien, die noch nicht den richtigen Schwung haben … usw.

Das bedeutete, dass ich immer wieder den Meißel zur Hand nehmen musste, um zu korrigieren. Und der Stein wird nicht weicher, auch nicht wenn man fast ein Jahr auf ihm herumschlägt. Also geht es im neuen Jahr doch noch einmal in Blau weiter.

Der jetzige Stand ist in sechs Etappen entstanden, das sind ca. 24 Stunden zusammengerechnet. Aber da niemand 24 Stunden am Stück bildhauern kann (glaube ich zumindestens nicht), dauert das halt etwas länger. Ich muß mich daran gewöhnen, dass ich für meine Skulpturen viel mehr Zeit benötige, als für meine Malerei.

… und ich habe zu Weihnachten meine erste (Stein-)Säge bekommen und eine tolle Feile mit vier verschiedenen Körnungen … und eine ganze Kiste Staubmasken, damit ich nicht als Hustinettenbärin ende. So langsam wächst meine Ausrüstung.

Finale Frühjahr 2017 – Hurra!

Ausgestellt wurde diese Skulptur bei der Frühlings-Ausstellung von Rosa Jaisli und Detmar Beyersmann am 26. März 2017.