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Heute einmal schön dick aufgetragen

Bei diesen Bildern arbeite mit reinen Acrylfarben auf der Leinwand, die sich erst im Arbeitsprozess des Übereinanderschiebens mittels eines großen Rakels vermischen. Der Zufall spielt hier eine ganz große Rolle. Ich muss es akzeptieren, dass ich nicht die volle Kontrolle über den Farbauftrag habe. Genau das interessiert mich und eröffnet mir neue Dimensionen.

Bevor ich diese Bilderserie began, habe ich mich längere Zeit mit den abstrakten Bildern von Gerhard Richter auseinandergesetzt. Nach der Arbeit mit zarten transparenten Farbschichten wollte ich einmal ausprobieren, wie es sich anfühlt ganz dicke Farbe ungemischt auf die Leinwand aufzutragen und sie dann erst zu mischen.

Dafür habe ich meine Acrylfarben mit sogenanntem Mal-Gel verdickt und meine Staffelei waagerecht gestellt, damit ich die Leinwand, wie einen Tisch verwenden konnte.

Es ist das Gefühl, was beeindruckt beim »Übereinanderschieben« von dicken Farbschichten

Das Gefühl feste dicke Farbe über die Leinwand zu schieben ist so völlig anders, als wenn ich lasierend, wie bei meinen andern Malereien arbeite. Hier fühle ich nur die weiche Farbe und überhaupt nicht die Struktur der Leinwand. Die Geräusche sind auch anders, alles ist gedämpft, bis zu dem Zeitpunkt, in dem ich die »Streichrichtung« ändere. Dann kommt wieder dieses matschende Geräusch, was so schön an das Watt erinnert.

Zum »Übereinanderschieben« der Farben verwende ich eine dünne Plexiglasscheibe als Rakel. Mit einem Holzstab trage ich eine dicke Schicht Farbe auf und rakele flach über die noch feuchte Farbe auf der Leinwand und staune jedesmal, was so geschieht.

Es entstehen fühlbare Bilder

Jede neue Schicht Farbe wird jetzt mit der Plexiglasscheibe über die noch feuchte Farbe gezogen. Jede Schicht mischt sich mit der darunterliegenden auf der Leinwand. Sobald die Farbschichten beginnen zu trocknen, verändert sich der erneute Farbauftrag. Eine faszinierende Art zu arbeiten!

unfertig
»unfertig?« (2011), Acryl auf Leinwand, 230 x 100 cm