Big Blue Acryl auf Leinwand

»Das große Format« – da stand mein Name drauf

In den Seminarunterlagen für das Seminar »Das große Format« stand, dass man sich gern eine Leinwand in den Maßen ca. 2 x 1 Meter mitbringen kann. Dann man los. Die Leinwand-Anfängerin, die ich nun mal war, kam überhaupt nicht auf die Idee, dass Leinwände in der Regel auf einem Holzrahmen aufgezogen bearbeitet werden. Ich bewege mich ausschließlich per Fahrrad durch die Stadtteile und kann solch ein Format nur gerollt transportieren. Da gesellte ich mich nun morgens mit meiner gerollten, leicht angeknitterten Leinwand zwischen meinen Kolleginnen und Kollegen, die alle neben einem ordentlichen Holzrahmen mit Leinwand standen.

Improvisation ermöglicht neue Perspektiven

Unsere Seminarleiterin Isabell wäre nicht Isabell wenn sie nicht wie selbstverständlich die Möglichkeit in Betracht gezogen hätte: »Dann arbeitest du halt auf dem Fußboden, statt an der Staffelei, hat auch Vorteile. Aufgezogen wird später.« Irgendwoher zauberte Sie eine große Folie, ich teilte mein Riesenformat in zwei gleichgroße Teile und klebte sie mittels Klebeband auf dieselbe und los ging’s.

Leinwand am Boden
Duett im Wellenprofil

In der umfangreichen Bibliothek von Isabell habe ich einen Maler entdeckt, dessen Arbeiten mich bis heute faszinieren: Gotthard Graubner und seine »Farbraumkörper«. Die Art und Weise, wie er Farben auf riesigen Formaten schichtet, sodass sie beginnen zu atmen hat mich dazu inspieriert auch einmal so mit der Farbe zu experimentieren.

Ungewöhliches Material birgt neue Erfahrungen

Ich wollte gleichzeitig zwei Arbeiten entstehen lassen, die gegensätzlich sind und sich doch ergänzen. Beide Arbeiten entstanden mit Acrylfarben und Pigmenten. ROT mit Pinsel und Schwämmen, BLAU mit einem Lappen als Werkzeug.

Kurz nach Arbeitsbeginn stellte sich heraus, welche Auswirkungen es hat, wenn man eine nicht-aufgezogenen Leinwand bearbeitet. Das Material beginnt bei Berührung mit Feuchtigkeit zu arbeiten und schlägt Wellen. Na toll! – O.K. Abwarten, was passiert. Ich wollte ja frei arbeiten und sehen, was unter meinen Händen passiert.

Nach und nach freundete ich mich mit dieser ungewöhnlichen Arbeitsweise an. Gut das ich (noch) recht gelenkig bin, denn halb im Spagat und schief auf halb sieben mehr als acht Stunden knapp über dem Boden zu hängen ist ganz schön anstrengend. Das habe ich zwei Tage später so richtig gespürt – ein Muskelkater, weltrekordverdächtig.

Erstlingswerke sind immer etwas Besonderes

Aber es hat sich gelohnt! Nach einer Kurzanleitung von Isabell und der Hilfe des Gatten mit dem Tacker hängen meine beiden Erstlingswerke jetzt sauber auf Holzrahmen gespannt an unseren Wänden. Einen großen Vorteil hat das nachträgliche Aufspannen: Man bekommt einen wunderbaren homogenen Farbübergang rund um den Rand herum. Das ist beim Arbeiten auf aufgezogenen Leinwänden nicht möglich.

Und ich bin stolz!