Linoldruck

»Bouillabaisse einmal anders«, Linoldruckfarbe auf Karton, 70 x 100 cm mit Holzrahmen

Nach meinem ersten Kurs an der Hochschule Bremen im August 2010 hatte ich Feuer gefangen und im Januar 2011 einen weiteren Kurs bei Isabell Valecka belegt: Experimentelle Malerei und manuelle Drucktechniken. Was so viel bedeuted wie »Drucken ohne Presse«.

Es ist ein Wunder was sich alles zum Drucken eignet

Ich habe nicht gewußt, mit was man alles drucken kann. Isabell hatte eine wahre Wundertüte (zwar eher ein Sack) dabei, aus dem sie Dinge zauberte, die erst einmal ein großes Fragezeichen auf unserer Stirn hinterließ. Schwämme, Gummiringe, Spielzeugautos, Schaumgummigitter, Alu- und Frischhaltefolie, Wellpappe, Tortendeckchen, Mullbinde …. und nicht zu vergessen Knallfolie (in Fachkreisen auch Luftpolsterfolie genannt).

Und dann kam die Trittschalldämmung.

Genau, richtig gelesen, Isabell verteilte blaue Platten von ca. 3 mm Dicke aus einem leichten und doch festen Schaumstoffmaterial, die ursprünglich als Trittschalldämmung vorgesehen waren. Aber auch daraus kann man hervorragend Druckplatten herstellen.

In das Material wurde eine Zeichnung geritzt, so dass eine Rille entstand, aber die Platte sollte nicht auseinanderbrechen. Nun wurde die Platte mittels einer Farbwalze mit Linoldruckfarbe eingefärbt und auf einen, auf einer Holzplatte fixierten Karton, gepresst. Mit den Händen oder mit einer zusätzlichen farblosen Walze, ganz wie es beliebt und wieviel Druck man ausüben will.

Dann kam der kniffelige Part, diese Platte wieder von dem Karton abzuziehen. Linolfarbe ist sehr dicht, fest und wirkt leicht speckig. Deshalb saugt sich die Platte immer nett auf dem Karton fest. Man kann die Platte vor dem nächsten Druckvorgang reinigen und von der Vorgängerfarbe befreien, man kann es auch, so wie ich, lassen und die nächste Farbe darüberrollen. Stück für Stück, Druck für Druck bildet sich das Gesamtwerk.

Nach diversen Druckschichten hatte sich meine »Fischplatte« in ihre Bestandteile zerlegt und ich habe mit dem verbliebenen Fischepaar noch einmal positiv in die schon schwimmenden linearen Fische hineingedruckt. Das Ergebnis ist jetzt ca. 70 x 100 cm groß und verlangte nach einem würdigen Rahmen. Dank einer lieben Kollegin, die mir einen Kellerfund überlassen hat, hatte sie als Hängung Premiere in unserem »Roten Salon« in Bremen und hängt jetzt in meiner Druckwerkstatt im Atelier in Lübberstedt.